SUPER GIRO DOLOMITI – Radfahren am Limit…..

Einleitende Worte: „Wir hatten keine Ahnung………………..!“

Erlebnisbericht des Schülers Thomas Bergmann, dritte Klasse des Fahrradaufbauseminars für Oberschenkelkrampfversierte!

Die Freiwilligen vom Windschatten

Wie bereits im Vorbericht erwähnt, hat sich am vergangenen Sonntag eine ungestüme Truppe des Triathlonvereins Windschatten, in die Kärntener Berge aufgemacht. Siegessicher wollten sie den „SUPER GIRO DOLOMITI“ bezwingen.

Los ging die ganze Sache bereits an der vergangenen TWin Weihnachtsfeier. Da ich bisher noch keine Erfahrung vom Rennradfahren in den Alpen hatte, geschweige denn jemals einen Pass mit dem RR gefahren bin, wollte ich unbedingt mal bei einem Radmarathon teilnehmen. Drum sprach ich mit Tilo, einem bergerfahrenen Radfahrer, über meine Pläne zur Teilnahme am Ötztaler Radmarathon. Nach einem kurzen Gespräch war mir klar, dass der Super Giro wohl eine bessere Wahl zum Start in die Berge wäre.

Teamtreffen mit „Salzburger Nockerl“

Neben Tilo konnte ich auch noch Manfred, Jürgen und Christian zum Vorhaben begeistern. Somit war die Trainingszeit eröffnet.

In der vergangenen Woche ging es dann los. Jürgen hat sich bereits am Freitag auf den Weg nach Lienz gemacht. Er nutzte einen Tag um, neben ausgiebigem Nachspeisen-Carboloading, sich langsam an die Höhenluft zu aklimatisieren. Der Rest der Truppe traf dann im Laufe des Samstags ein. Nachdem ich mit Christian den halben Campingplatz mit unserer Ausrüstung belegt hatte, trafen wir uns am frühen Abend in der Eventhalle. Dort wurden die Startunterlagen ausgegeben und wir füllten unsere KH-Speicher bei der Kaiserschmarn-Party auf.

Carboloading auf Österreichisch

Bei einem isotonischen Bier kamen wir so langsam ins Gespräch über die Strecke die uns am folgenden Tag erwartete. Hauptgesprächsthema war der Pass über den „Monte Zoncolan“, umgangssprachlich auch „Monte Calzone“, oder „Monte Cappucino“. Kenner beschreiben ihn auch als „Monte Schmerz“. Ursprünglich führte die Tour über den Nassfeldpass, dieser war aufgrund von Felsabgängen nicht befahrbar. Somit wurde eine Ausweichroute über die italienische Seite gefunden. Offensichtlich bot sich dabei der Monte Zoncolan als kleiner, äh sehr sehr steiler Leckerbissen an. Dies war uns aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Der Anstieg wird ganz, ganz toll!!!

Tilo, unser Erfahrenster, hatte sich bereits im Vorfeld intensivst mit dem Höhenprofil auseinandergesetzt. Er beschrieb uns detailiert die Steigungen. Die Auffahrt sei zu Beginn moderat steil und werde bis zum Gipfel steiler. Glücklicherweise sollte das sogar die leichteste Auffahrtmöglichkeit sein. Aber die Abfahrt hätte es durch aus in sich, meinte er. Da geht es 6 km mit einer Steigung von 14 % Berg ab, zum Teil Stücke mit 23%. Daraufhin zeigte ich ihm die Strecke auf der Karte. Plötzlich zuckte er zusammen und starrte auf sein Handy. „Hey Leute, wir müssen die vermeintliche Abfahrt rauf. Oh mein Gott“. Aber dazu später mehr…

Am Wettkampftag wurden wir von herrlichstem Bergpanorama geweckt. Nach ein paar Schuss hochprozentigem Koffein haben wir uns für die Abfahrt fertig gemacht.

Tag X – Super Bergpanorama zum aufstehen
Tag X – Die Motivation ist hoch
Der erste Anstieg drückt sich locker

Der Start des Super Giro Dolomiti war im Stadtzentrum von Lienz. Hierfür wurde die große Hauptstraße abgesperrt. Wir durften uns sogar in den Startbereich der Elitestarter einreihen. Wie wir uns da wieder reingeschmuggelt haben ist mir immer noch ein Rätsel. Um 6:30 wurde dann die Strecke für uns Radsportler frei gegeben. Geführt von einem Polizeiauto setzte sich der gesamte Pulk ziemlich hastig in Bewegung. Das war manch einem von uns zu spritzig. Christian und Jürgen beschlossen dem Besenwagen Gesellschaft zu leisten und räumten das Feld von hinten auf. An einer Bahnschranke, die passend auf Rot schaltete, sammelte sich das Peloton. Daraufhin begann auch schon der erste kleine Anstieg in den Ort Kötschach. Hier traf ich auf Tilo und begleitete ihn beim ersten richtigen Anstieg auf den Plöckenpass. Dabei trafen wir auf einen Einheimischen der das ganze mit dem MTB absolvierte. (Äh ja viel Spaß) Schnell fand sich das passende Gesprächsthema, da Tilo auch die Salzkammergut MTB Trophy als Jahreshöhepunkt vor hat. Bei einem steileren Teilstück fiel uns ein langsam und tief schnaufender Teilnehmer auf. Tilo kommentierte das steif mit „Luke…….. ich bin dein Vater“. Obwohl der Anstieg kein Zuckerschlecken war, hatten wir sichtlich Spaß.

Die Bergziege beim Aufstieg

Nach gut 10 km starkem Aufstieg erreichten wir die erste Labestation (=Mahlzeit). Hier füllte ich meine Trinkflaschen auf und sah im Augenwinkel Tilo durchbrettern. Da ich von seinem sehr guten Abfahrtkönnen wusste, versuchte ich möglichst dran zu bleiben. Nun ging es in Serpentinen über die Grenze nach Italien. Bereits nach wenigen Kehren war Tilo völlig außer Sichtweite, obwohl ich selbst teils 80 Sachen drauf hatte. Seine Fahrweise ist nochmal eine ganz andere Hausnummer.

Die Labestation am Monte Zoncolan war bitter nötig

Anschließend führte uns die Strecke durch kleine Ortschaften Richtung Ovaro. Dort waren bereits einige Einheimische auf der Straße und feuerten uns in „Giro-Manier“ an. Nun standen wir unserer größten Herausforderung kurz bevor. Ich hatte keine Ahnung was da wirklich kommt. Ich wusste, das der Gesamtanstieg gut 10 km lang ist, aber die ersten 6 km wären durchgehend über 13 % Steigung, zum Teil bis 23 %. Zwei Südtiroler die ich getroffen habe, meinten nur das es gleich ziemlich lustig wird. Ähm ja, alles klar. Noch eine Linkskurve und schon standen wir drin, im krassesten was ich je gefahren bin. Die Straße führte meist kerzengrad mit wirklich starker Steigung bergauf. In normaler Fahrweise war das gar nicht mehr zu bewältigen. Bereits nach kurzer Zeit haben die meisten Fahrer auf enge Schlangenlinien umgestellt um überhaupt noch vorwärts zu kommen. Nur wenige sind noch gerade weiter gefahren. Selbst aus dem Sattel aufsteigen war mir nicht mehr möglich. So manch einen Teilnehmer, sogar mit Zeitfahrrad, entdeckte man bergauf schiebend. Wäre vielleicht gar keine so schlechte Idee gewesen, bei dem was später auf mich zu kam. Nach guter einer Stunde Anstieg im Maximalbereich, begann endlich etwas flachere Steigung. Es ging noch durch drei Tunnels und nach gut 1100 Höhenmeter erreichten wir endlich den Pass des „Monte Zoncolan“. Hier erwartete uns die dritte Labestation. Diese war auch bitter nötig, da ich fast all mein Pulver beim Anstieg verschossen hab. Schnell verdrückte ich Gel, Banane, Salztablette und Cola um möglichst meine Reserven wieder aufzufüllen.

Wunderbares Panorama vom Monte Calzone/Zoncolan

Anschließend begann eine sehr lange und schnelle Abfahrt ins Tal. Da meine Konzentration noch im Steilhang hing, hab ich bei der Abfahrt raus genommen und bin nicht volles Risiko gegangen. Als ich unten angekommen bin und die ersten Meter treten wollten, erwischte mich plötzlich in beiden Beinen ein Krampf. Ich dachte mir nur „verdammt, so kommst du den Plöckenpass nicht mehr hoch“. Drum hab ich kurz angehalten und die Adduktoren gedehnt. Siehe da, ich konnte wieder locker weiter treten. Bis wir den Plöckenpass wieder erreicht hatten, war meine Luft wieder richtig da. Leider nicht in meinem Hinterreifen. Nach wenigen Kehren viel mir auf, dass ich wohl einen Schleicher hab. Also wieder absteigen und schnell Luft aufpumpen. Das hielt und so konnte ich zum Plöckenpass aufsteigen. Oben angekommen verarztete ich den Reifen mit meinem Pannenspray. Blöderweise verteilte sich das erst mal überall, nur nicht in meinem Reifen. Anschließend hab ich voll gepumpt und konnte so bis zum Schluss durchfahren. Merke: Schlauchreifen + Pannenspray = Läuft.

Tilo schickte uns aufmunternde Worte. Bitches!

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Strecke nur für uns Radfahrer befahrbar. Leider wurde kurz vor meiner Abfahrt, den Plöckenpass runter nach Kötschach, die Straße für den Verkehr geöffnet. Und siehe da, ich durfte bergab mit 30 km/h hinter einem orangen Gespann herdudeln. Überholen war mir zu gefährlich. Mittlerweile war ich fast nur alleine unterwegs. Das langweilte mich etwas. Aber bei nur 400 Teilnehmer verteilt sich das Feld ganz gut auf die 218 km. In Kötschach traf ich dann wieder auf den Mountainbiker und beschloss mit ihm zusammen weiter zu fahren. Das war mir ganz recht, da er ortskundig war und mir die Strecke erklärte. Denn eigentlich hatte ich mental mit Anstiegen bereits abgeschlossen und freute mich rießig auf die lange Abfahrt nach Lienz. Aber denkste, jetzt kam nochmal eine ganz haarige Sache auf uns zu. Auf den nächsten 40 km ging es ingsesamt 900 hm aufwärts. Die Tortur lässt sich am Besten mit Jürgens Worten beschreiben: „Erst fahren wir rauf, dann gehts runter, dann um eine Kurve, über eine Brücke, dann wieder rauf, wieder runter, wieder eine Kurve, wieder über eine Brücke, wieder rauf, wieder runter……“ und das ganze ca. 20 mal hintereinander. Ich war schon kurz vor einer Sehnenscheidenentzündung vom vielen Schalten. Das murkst einen mental ganz schön runter.

Das Geschwindigkeitsprofil bis km 180. Mords Geschwindigkeit am Monte Zoncolan.

Zum Schluss kam fast der beste Teil des Tages. Es waren nur noch 30 km zu fahren und ich wusste das es nur noch bergab geht. Mittlerweile konnte ich mich von den vorangegangen Strapazen wieder voll erholen. Also war Party angesagt. Innerhalb weniger Mintuen legten wir 500 Hm zurück als wir ein paar enge Serpentinen runter heizten. Anschließend ging es auf die Bundesstraße. Hier schlossen sich noch zwei weitere Fahrer an und wir begannen in Zeitfahrmanier zu kreiseln. So legten wir die letzten Kilometer in windeseile zurück und donnerten mit Karacho in die lange Zieleinfahrt von Lienz.

Das Höhenprofil des Super Giro Dolomiti bis km 180.

Die Ergebnisse im Detail: Insgesamt betrug die Strecke ca. 220 Kilometer mit gut 5500 Höhenmeter. Im Vergleich zum Ötztaler war das schon eine gute Schippe drüber. Die Verantwortung hierfür trägt aber ganz allein der Monte Zoncolan, der uns wirklich an die Grenze gebracht hat. Die Ziellinie überquerte Tilo nach 9:14 h (Platz 160), gefolgt von mir mit 10:13 h (Platz 236), dahinter Jürgen und Christian mit 10:47 h (Platz 259). Insgesamt haben es nur 300 Teilnehmer ins Ziel geschafft. Das zeigt wie stark das Teilnehmerfeld war. Nicht mal unser stärkster Tilo schaffte es über das Mittelfeld. Die Gesamtschnellsten war Markus Feyerer und Daniel Rubisoier mit einer Zeit von 6:46 h. Wahnsinn, 32er Schnitt. Mir fehlen die Worte.

Zieleinfahrt bei herrlichstem Wetter.

Das erste was ich im Ziel verspürte war ………………. natürlich Hunger. Also verdrückte ich noch eine Kleinigkeit, ging zum Duschen und traf mich anschließend mit dem Rest vom Windschatten in der Eventhalle zur Nudelparty. Wir vier waren sichtlich geschafft aber zogen uns erst mal das verdiente Finishertrikot über. Nun wurden noch einige Portionen Nudeln verdrückt. Anschließend gabs am Campingplatz ein kleines Afterbier. Das war natürlich nicht genug. Drum fuhren wir noch in die Altstadt mit dem Rad, ähh sicherlich nicht, mit dem Auto und verdrückten bei der EM-Übertragung noch eine Pizza samt isotonischem Malzgetränk.

Der Super Giro Dolomiti war wirklich eine richtig tolle Sache die man jedem Bergenthusiasten empfehlen kann. Klar war dieses Format mit gut 5500 Höhenmeter schon eine prickelnde Herrausforderung, aber ich habe Lust auf mehr.

Ein Gedanke zu “SUPER GIRO DOLOMITI – Radfahren am Limit…..

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