MTB-Marathon Salzkammergut Trophy by Tilo

Nach mehreren Jahren des Zögerns, habe ich mich im Dezember 2014 für die Salzkammergut-Trophy angemeldet, ein recht bekannter MTB-Marathon.
Das Rennen in Zahlen: 211km bei 7049hm
Ordentlich vorbereitet ist halb gewonnen, d.h.: radeln³ – und sämtliche Ablenkungen reduzieren (z.B. Arbeit, Schwimmen, Laufen, Kontakte, …)
Das Training lief gut, bin ohne gesundheitlichen Probleme durch gekommen. An dieser Stelle sei Dehnen und Rumpfstabi empfohlen.
10.7.15:Abfahrt nach Bad Goisern/Österreich; einchecken auf dem Zeltplatz; Startunterlagen abholen; Nudeln essen und 21.00Uhr in den Schlafsack

11.7.15, 4.00Uhr, nächster Morgen: Frühstück; Anziehen; Warmfahren ist geschenkt

5.00Uhr: das Rennen hat begonnen – endlich
Km 0: Im Tal erst mal richtig Gas geben um am Berg möglichst weit vorne im Feld einzusteigen; überholen wird auf den schmalen Wegen dann schwierig
Km 10: die ersten 900hm sind rum; schön weiter im Rhythmus

Km 75: Alles recht entspannt, fast langweilig; Rennen läuft gut; Wetter ist tipptopp – die nächste Abfahrt ist recht verblockt und als technisch anspruchsvoll zu bezeichnen.
Zu meiner eigenen Überraschung fliege ich ins Tal an zahlreichen Wegbegleitern vorbei – alle Zweifel mir ein Fully gekauft zu haben, sind jetzt endgültig verflogen. JETZT IST ES NE PARTY!
Trotzdem werde ich auch noch von einigen Typen auf nem Hardtail überholt – ich fühl mich trotzdem klasse und grinse noch ne ganze Weile;
irgendwo 1-2 Riegel verloren; aber genug in der Tasche und PowerBar sponsert das Event – also kein Grund zur Sorge
Km 130:Labestation; ca. 2/3 der Höhenmeter sind schon rum; Kette mal geölt; ein paar Kekse gegriffen; jetzt geht es 20km flach; Verpflegung fällt knapp aus; ich hefte mich an eine 6-Mann-Gruppe und wir fahren sauber einen belgischen Kreisel. Ein Typ hat sogar einen „Semi-Aero-Helm“ auf!!! (Ø-Geschwindigkeit des Siegers betrug 21km/h)
Km 160:Labestation; 9:45h sind rum – Zielzeit von < 13h ist jetzt sehr realistisch; unsere Gruppe hatte gut Pace gemacht; viele Leute eingesammelt oder überholt; jetzt kommt der Endgegner „die Roßalm“ – mit ca. 1300hm auf 10km;
ich habe Hunger und erfahre jetzt: ES GIBT KEINE POWER-RIEGEL!!! – weder hier noch an irgendeiner anderen Station; F**K !!!- ist mir noch nicht aufgefallen weil ich aus meiner Tasche gelebt habe; ich esse Butter-Bemmen; Kekse; Wurst; Cola & nehme mir bewusst Zeit zum Essen und lasse gefühlt 50 Leute vorbei; nach 15min Pause mache mich an die nächsten 1,5h geplanten Stunden Berg-Auf-Fahrt
Beine sind noch gut beisammen; Magen ist leer und mir fehlt einfach nur Kraftstoff – ich trete einfach weiter; aufbauend das viele Biker am Rand pausieren oder schieben; ich halte ein Tempo von 5-6km/h – Ziel ist es den kpl. Berg zu fahren, nur nicht schieben; kurz vor dem Gipfel beträgt die Steigung 30%; trotz Asphalt und Übersetzung 22/32 steige ich ab und schiebe; neben mir kämpft einer mit kreischendem Pulsi und „fährt“ weiter in Schlängellinie – ich gehe zu Fuß und bin schneller
Km 170:endlich Abfahrt; zum Glück nur Waldautobahn und technisch anspruchslos; ich bin am Ende trotz 25°C auf dem Gipfel ist mir kalt; ich ziehe meine Weste an
KM 180: der letzte großer Aufstieg beginnt; ich kämpfe und muss in Erwägung ziehen das Rennen aufzugeben; ich trete
Am Wegesrand liegt jemand auf dem Rücken, Blick apathisch in den Himmel, mit beiden Händen nuckelt er wie ein Kleinkind an einem Gel – so muss es im Krieg ausgesehen haben;
ich überhole viele schiebende Leidensgenossen – das baut mich auf
Km 185:Labestation; endlich oben; ich mache noch einmal sehr lange Pause und kaue alles was keinen Würg-Reflex auslöst; laut Höhenprofil ist es jetzt nur noch flach oder Berg ab – das gibt Kraft
Km 200: mit „flach“ ist erst mal nicht; es kommen immer wieder kleine Wellen – nicht länger als 1.000m – aber die machen einem weich im Kopf; ich trete
Km 208:Asphalt berg ab; das müsste jetzt die letzten 3km so gehen; mir geht es auf einmal gut – ich leg die große Welle auf und fahre auf einzelne Biker auf; wir kreiseln; Rechtskurve in einen Waldweg und WIEDER BERG AUF!!!; ich rufe laut scheiße und schalte was die Daumen her geben auf einen kleinen Gang; kurze Rücksprache: bei den Anderen zeigt der Tacho erst Km 200; d.h. noch 11km!!!; scheiß der Hund drauf; ich trete
Km 211: auf der Zielgerade übersprintet mich noch irgendein Schmock, trotzdem Shake-Hands;
ich geh duschen; kaufe ne Steaksemmel; leg mich in mein Auto; draußen tobt mittlerweile ein Gewitter – ich schlafe ein.
Endzeit: 13:36h; Platz 148
Bei ca. 700 Startern haben 418 das Ziel erreicht.

Fazit:eine sehr gelungene Veranstaltung, umfangreiches Rahmenprogramm drum herum, auch andere Strecken bis runter zu 22km im Angebot; sehr freundliche Helfer und angenehme Stimmung allgemein; viele Verpflegungsstationen mit Bike-Service; sagenhafte Landschaft – jetzt fehlen nur noch Riegel an den Labestationen
Gruß Tilo

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