Race Around Germany – Radsport der Extreme

Die Strecke rund um Deutschland

Am Donnerstag den 24.07.2014 war es so weit. Zwei unser wohl extremsten Radfahrer im Verein, Gerhard Liebel und Manfred Büttner, begaben sich auf ihr bisher größtes Abenteuer. Dem Race Around Germany. Hierbei mussten beide Athleten eine Gesamtstrecke von 3300 km und 22000 Höhenmeter zurücklegen. Die Strecke wurde in neun Etappen eingeteilt, allerdings waren beide Athleten selbst für die Fahr- und Pauseneinteilung verantwortlich. Hierdurch ergab sich eine ganz ungewohnte Art des Taktierens. Durch Verkürzung oder Verschiebung der Pausen- bzw. Schlafzeiten war das Rennen von einem ständigen Wechsel der Führungsposition geprägt. Dies führte zu einem spannenden Kopf an Kopf Rennen bis auf den letzten Kilometern und forderte von beiden das größte Maß an mentaler Stärke und Wille.

Viele Kilometer werden in Aero-Position zurück gelegt
Die Athleten werden von der Physio-
therapeutin Elke Röll rund um die Uhr versorgt

Als erster eröffnete Gerhard die Tortur um Punkt 8:30 Uhr in der Altstadt von Cham. Manfred startete das Rennen mit einem Zeitabstand von 30 Minuten. Die erste Etappe führte beide Athleten nach Holzkirchen kurz vor der Österreichischen Grenze. Somit durchquerten sie gleich die drei bayerischen Regierungsbezirke Oberpfalz, Niederbayern und Oberbayern.
Bei der darauffolgenden Etappe nach Freiburg im Breisgau mussten die Allgäuer Voralpen durchquert werden und führte beide weiter bis kurz vor die Französische Grenze. Rein von den Zahlen war dies die sogenannte Bergetappe der Tour mit fast 4000 Hm.
Die beiden nächsten Etappen führten entlang der Luxemburger, Belgischen und Holländischen Grenze. Zuerst ging es nach Pirmasens und weiter nach Kevelaer. Gerade diese Etappen entlang des Elsass waren nochmals von einigen Steigungen geprägt.
Die vierte Etappe führte nach Glückstadt an der Elbe (Nordsee). Mittlerweile war es schon Tag vier des Rennens und somit Zeit das Versorgungsteam auszuwechseln. Wir trafen uns in Rheine in der Nähe von Münster und feierten die vergangenen Renntage gemeinsam mit einem kleinen Grillfest. Doch für Manfred war dies nur eine kurze Pause mit einem kleinen Nickerchen. Schon nach kurzer Zeit befand er sich schon wieder auf seinem Sattel und auf der Jagd nach Gerhard.

Die Konkurrenz wird beschnuppert

Am darauffolgenden Morgen erreichten wir das Zwischenziel Glückstadt und konnten das erste mal einen Blick auf die Nordsee werfen. Aufgrund der dortigen Infrastruktur waren die Drahtesel der beiden Athleten zu einer kurzen Ruhepause gezwungen, denn schwimmen können sie noch nicht. Darum nahmen beide Athleten und die Versorgungsfahrzeuge, wie schon in Bremerhaven, die Fähre bis zur anderen Uferseite.
Ab hier ging es weiter entlang der Nordseeküste bis nach Flensburg, dem nördlichsten Punkt beim Race around Germany und kurz vor der Grenze zu Dänemark. Nun ging es nur noch gen Süden aber die Heimat war noch sehr fern.
Die darauffolgenden Kilometer schlängelten sich entlang der Ostseeküste über Kiel, Lübeck und Rostock bis nach Stralsund. Zum Ärgernis der beiden Athleten wurden auf der Strecke viele Großstädte bis ins Zentrum angefahren. Das bedeutete oft ungewollte Wartepausen an roten Ampeln und zusätzlicher Stress durch die hohe Verkehrsdichte. Aber für die Helfer in den Versorgungsfahrzeugen war es erstaunlich, wie überlegen ein Rennrad dem Auto in der Großstadt ist. Wir hatten sehr zu kämpfen mit den Fahrern mitzuhalten.

Selbst Regen hält die Athleten nicht ab

In Stralsund waren wir das letzte mal in Blickkontakt mit der Ostsee. Ab hier ging es die letzten (kerzengeraden) Kilometer durch Mecklenburg Vorpommern und dann weiter durch Brandenburg entlang der Polnischen Grenze.
Nun wurde uns allen die kulturellen und regionalen Unterschiede in Deutschland erst wirklich bewusst. So schwärmten wir in Niedersachsen noch von den vielen gepflegten offenen Gärten und verklinkerten Häusern. Umso radikaler wurde uns in Brandenburg die schwache Besiedelung bewusst. Dies wirkte sich auch negativ auf unseren Radfahrer Manfred aus. Als kleinen Muntermacher wünschte er sich einen kurzen Halt bei einer örtlichen Bäckerrei, aber auf einer Strecke von 70 km und vielen kleinen Siedlungen trafen wir auf keinen Ort zur Belohnung. Etwas eingeschnappt ging es weiter nach Sachsen in die Stadt Chemnitz und somit schon kurz vor der Tschechischen Grenze.
Unser nächstes Zwischenziel war die von barocker und mediterraner Architektur geprägte Stadt Dresden. Fast schon am Ortsende zeigte uns Manfred seine kulturelle Ader und wies uns ein, ein paar Fotos zu schießen. Leider waren wir an den Schmuckstücken der Stadt schon vorbei und umdrehen kam aufgrund der Verfolgung durch Gerhard nicht in Frage, also wählten wir schäbige Bahnhofsunterführungen und Einbahnstraßen zu unseren Motiven.
Apropo Gerhard, es handelte sich beim RAG schließlich um ein Rennen. In Dresden hatte sich Manfred bereits ein kleines Polster von 100 km auf seinen Verfolger herausgefahren. Aber ihm war stets bewusst das dieser Vorsprung auf den letzten 400 km schon durch eine kurze Schlafpause wegschmelzen könnte. Darum änderte er seine Taktik und verkürzte die tägliche Schlafpause von rund drei Stunden auf ein kurzes Powernapping von einer Stunde. Dies zerrte aber stark von seinen Kräften und verlangte mental nochmal alles von ihm ab.

Ein kleines Geschenk zu Ehren von bereits 3000
zurückgelegten Kilometern

Allerdings bewahrheitete sich der Verdacht das Gerhard nochmal alles gab und scheinbar völlig schlaflos die letzte Nacht durchfuhr. Als Manfred die bayerische Grenze überschritt  und sich somit auf den letzten 200 km befand, war der Abstand bereits auf 60 km dahin geschmolzen. Aber Manfred zeigte keinerlei Schwäche. Er brachte eher uns im Versorgungsfahrzeug zum Verzweifeln. So fragte er mich, meine Wenigkeit hatte eine Woche zuvor die Challenge Roth gefinisht, welche Radzeit ich dort hatte. Im ersten Moment wusste ich nicht ob er nur Ablenkung brauchte oder dies bewusst fragte. Aber als er bei meiner Antwort von 5:30 h konterte mit: „Na schaun wir mal ob ich das unterbieten kann!!“, war mir klar das der Kerl nahe dem völligen Wahnsinn sein muss. Sowas kann ein „Normaler“ doch nicht nach 3000 km ernst meinen. Aber nein, das ist ja auch Manfred Büttner!
Jedoch ging die Taktik auf. Scheinbar musste Gerhard dem hohen Tempo bei der Verfolgung Tribut zollen und wurde zu einer kurzen Schlafpause gezwungen. Nun war klar das Manfred es ganz nach oben aufs Treppchen beim Race Around Germany schaffen wird. Somit erreichte er, nahe an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit, das Chamer Ortsschild nach 7 Tagen, 23 Stunden und 30 Minuten. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch Manfred zur wahnsinnigen Leistung. Gerade die mentale Leistung die du vollbracht hast, ist für uns andere Athleten ein großes Vorbild.

Das lang ersehnte Ziel ist erreicht

Auch Gerhard befand sich bereits auf den letzten Kilometern und wurde in aller Freundschaft von seinem Trainingskollegen am Chamer Ortsschild empfangen. Gerhard schaffte die 3300 km in ebenfalls wahnwitzigen 8 Tagen und 6 Stunden. Gemeinsam traten beide die letzten Meter bis zum ehemaligen Startpunkt in der Chamer Altstadt an. Hier wurden sie vom gesamten Versorgungsteam mit Zielleine und Sektdusche empfangen. Nach einer kurzen gemeinsamen Finishparty, traten alle Beteiligten die Heimreise in den Neumarkter Landkreis an. An dieser Stelle auch nochmal Danke an alle Helfer die dieses Großereignis erst möglich machten.

Die beiden stolzen Finisher des ersten Race Around Germany

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