Der KnappenMan – Von und mit Michi Kropp

Eigentlich wollte ich dieses Jahr nur eine Langdistanz absolvieren. Da ich aber bei den Vereinskollegen ein ambitioniertes Ziel (Sub10) verkündet habe und dies bei meiner ersten Langdistanz in Venedig bereits nach dem Schwimmen so gut wie unerreichbar war, entschied ich mich dazu, bei einer weiteren Langdistanz zu starten. Der Entschluss fiel übrigens schon beim abschließenden Marathon in Venedig. Mit dieser Perspektive bin ich den Marathon in Venedig auch entsprechend ruhig ange“gangen“.

Nach dem Zieleinlauf im Hotel in Venedig angekommen, begann auch schon die Recherche nach der 2. Langdistanz. Da ich nicht unbedingt unter einem großen Label starten wollte (sind so kurzfristig eh meist ausgebucht und wenn nicht dann mega teuer) habe ich die Augen nach kleineren Wettkämpfen offen gehalten. So bin ich dann irgendwann auf den KnappenMan XXL gestoßen. Da ja auch noch mein Opa als Bergmann tätig war, war dieser Wettkampf ein Muss für mich.

Nach 1,5 Wochen Pause startete ich meine Vorbereitung auf diesen Wettkampf. Zur Orientierung für dieses Training habe ich meine alten Pläne aus der Zeitschrift „Triathlon Training“ ausgegraben. Diese Pläne habe ich durch regelmäßiges Krafttraining ergänzt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das Training über den gesamten Saisonverlauf super lief. Ich hatte keine Verletzungen und musste auch nur einmal kurz wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung pausieren. Da ich den Sport ja auch noch eine Weile betreiben möchte, ist es für mich wichtig, dass ich das Training wohl dosiert durchführe und auch nur dann trainiere, wenn ich mich absolut fit fühle.

Nach nun knapp neun Monaten Training mit insgesamt über 10.000 Trainingskilometern (Schwimmen 190 km, Rad 8.500 km, Laufen 1.700 km) in den Beinen und Armen ging es am Tag meines Geburtstages mit dem Auto Richtung Sachsen nach Lohsa. Dort angekommen haben wir unsere Sachen im Hotel verstaut und sind dann zur Startunterlagenausgabe und Wettkampfbesprechung gefahren. Diese fand in einem eher kleinen, familiären Rahmen statt. Es waren ja auch nur knapp 60 Starter auf der Langdistanz gemeldet. Nachdem diese vorbei war, sind wir noch zum Carboloading zu einem guten Italiener in Spremberg (Brandenburg) gefahren und anschließend ging es ins Bett.

Am Wettkampftag klingelte um 4:45 Uhr der Wecker. Zu diesem Zeitpunkt waren wir jedoch schon beide hellwach. Noch im Bett haben wir uns ein feudales Frühstück (zwei trockene Urkornbrötchen) vertilgt und sind danach – wie geplant – um 05:30 Uhr Richtung Wettkampf gefahren. Auf dem Weg dorthin fiel mir ein, dass ich meine Laufsocken noch im Hotelzimmer vergessen hatte. So fuhren wir eben wieder zurück um diese noch zu holen. Trotzdem schafften wir es noch pünktlich zum Bike-Check-In.

Um 06:45 Uhr fand noch einmal eine kleine Wettkampfbesprechung im Startbereich des Sees statt. Und pünktlich um 7 Uhr fiel der Startschuss. Das Schwimmen (2x 1.9 km mit einem kurzen Landgang) verlief eher ruhig. Nach 1:05 habe ich das Wasser endgültig verlassen und bin Richtung Wechselzone (bzw. hier Wechselgarten genannt) gelaufen. Insgesamt war von Wasserausstieg bis Radaufstieg eine Strecke von ca. 500m zurückzulegen.

Auf dem Rad habe ich mich zuerst mit Iso versorgt und während dessen schon kräftig in die Pedale getreten. Die Radstrecke wurde wegen einer Baustelle in diesem Jahr erstmals verändert. Es mussten sechs Runden zu je 29,7 km (insgesamt 178,2 km) gefahren werden. Laut Ausschreibung und meiner Garmin-Aufzeichnung mussten hierbei 800 Höhenmeter überwunden werden. Diese summierten sich zum einen über den 7,5 km langen Anstieg vom Wechselgarten bis hin zum Scheibesee und zum anderen in ein paar kleineren Wellen, die es auf dem Radweg um den besagten See herum zu überwinden gab. Die Radstrecke wies größtenteils einen sehr guten Belag auf. Dennoch musste man permanent hellwach sein, da Wurzelwerk einige Risse und Beulen in den Asphalt gedrückt haben. Zudem war die Radstrecke mit ein paar scharfen Kurven gespickt. Die Temperaturen und der Wind meinten es an dem Tag gut mit mir, so dass ich ein gleichmäßiges Tempo über die gesamte Radstrecke fahren konnte. Man fuhr immer wieder am Wechselgarten vorbei, wo ein Moderator die Teilnehmer ankündigte und für die Zuschauer moderierte. Und so hörte ich bei mir „Hier kommt unsere Startnummer 8 – Michael Kropp – aktuell auf Platz 8“. Cool dachte ich mir am Ende der ersten Radrunde, so weit vorne bin ich dabei. Auf die zweite Runde gehend konnte ich meine Verfolger im Gegenverkehr sichten. Es waren ca. 4-6 Teilnehmer, welche mir knapp auf den Versen bzw. Felgen waren. Aber es hat mich auch in der 2. Runde niemand überholt, so dass ich bis zur 4. Runde auf Platz 8 lag. Ich habe in der 4. Runde anscheinend selbst jemanden überholt, so dass ich ab der 5. Runde auf Platz 7 lag. Auch in der letzten Runde habe ich jemanden überholt und ging als 6. auf die Laufstrecke. Das war schon ein komisches Gefühl, wenn man sein Rad in die Wechselzone hängt und dort erst eine Handvoll weiterer Räder hängt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keinen Plan, mit welcher Radzeit ich zurückgekommen bin.

Beim abschließenden Marathon habe ich mir vorgenommen, dass ich einfach mein Wohlfühltempo laufe, ohne dass ich dabei auf die Uhr schaue. Beim Kilometer zwei auf der Laufstrecke habe ich den ersten Mitstreiter eingeholt. Dieser hat dann jedoch direkt wieder das Tempo forciert und mich wieder überholt. Ich bin dann weiterhin mein Tempo gelaufen und habe mich an jeder Verpflegungsstation gehend und ausreichend verpflegt. Nachdem ich den ersten Halbmarathon absolviert hatte, rief mir Sandy zu „Du läufst ja eine mega Zeit“. Danach wagte ich erstmals den Blick auf meine Uhr. Diese zeigte mir 1:39 an. Mit der Vorbelastung ganz in Ordnung, dachte ich mir. Ab der zweiten Hälfte der dritten Runde machten sich leichte Magen-/Darmbeschwerden bemerkbar. So drosselte ich lieber das Tempo, um keinen Daueraufenthalt im Dixie zu riskieren. Zu diesem Zeitpunkt lag ich an 4. Position. Ein Mitstreiter ist dann auch an mir vorbeigezogen. Ich konnte und wollte ihm aber auch nicht folgen. Ca. einen Kilometer vor dem Ziel habe ich mich noch einmal noch Mitstreitern umgesehen und habe zwischen den ganzen Mitteldistanzlern einen Langdistanzkollegen entdeckt, welcher deutlich näher zu kommen scheint. Also musste ich – wohl oder übel – auf den letzten Kilometer das Tempo noch einmal anziehen. Gesagt getan und mit einen Marathon (naja die Uhr zeigte 41,89 km an) in einer Zeit von 3:35 Stunden und einer Gesamtzeit von 9:42:29 bin ich dann glücklich über die Ziellinie gelaufen.

Es ist ein schöner, empfehlenswerter Wettkampf, welcher nächstes Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Im Zielbereich wurde schon verkündet, dass die Radstrecke im kommenden Jahr um eine Schleife (hier gab es anscheinend in diesem Jahr wieder einen Sturz und der Belag war hier nicht gut) gekürzt werden soll. Vielleicht wird sie dafür an anderer Stelle verlängert?

(Michi Kropp)

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