Windschatten Triathlet beim Wüstenrennen in Namibia

Das härteste Mountainbike-Rennen der Welt findet in Namibia statt, es ist das „desert dash“, übersetzt etwa „Wüstenhetze“.

Es führt über eine Distanz von 373 Kilometern. Gestartet wird in Windhuk, das Ziel ist Swakopmund, eine 1885 gegründete Kleinstadt an der Südatlantikküste. Die Strecke verläuft über das Khomasgebirge mit über 2000 Meter hohen Bergen, durch die Namibwüste mit ihren endlosen Dünen, bis zur sturmgepeitschten Atlantikküste.

Das Rennen wird um 15:00 in einer Tiefgarage eines Einkaufszentrums in Windhuk gestartet und muß in 24 Stunden mit der Zielankunft in Swakopmund, beendet werden. Die besonderen Herausforderungen dieses Rennen bestehen zum einen in den extremen Temperaturen, bis zu 40 Grad beim Start und Nachttemperaturen im einstelligen Bereich. Deshalb wird die Wartezeit bis zum Start in einer kühlen Tiefgarage überbrückt.

Zum anderen gilt die Streckenbeschaffenheit und das Höhenprofil als extrem herausfordernd. Etwa 3500 Aufstiegsmeter und ca 5000 Abstiegskilometer sind zu bewältigen. Breite Sandpisten, steinige Passagen, kilometerlange tiefe Sandstrecken, ausgetrocknete Flusstäler und Rüttelpisten lassen dem Sportler keine Ruhepause. Vollste Konzentration ist erforderlich. Die Strecke gilt als extrem gefährlich für Mensch und Technik.

Eine sehr gute Kondition, intensive Vorbereitung, Erfahrung und Leidensfähigkeit sind Voraussetzungen um dieses Rennen erfolgreich zu bestehen.

Auch beim Material ist genaueste Vorbereitung gefragt: Neue Reifen, gute Beleuchtung mit einem für bis zu 8 Stunden haltenden Akku ist wie eine Lebensversicherung und eine zusätzliche Sicherung aller Anbauteile am Rad, mit Kabelbindern und Klebeband sind Pflicht.

Auch für den Pannenfall sind alle Eventualitäten durchzuspielen und Werkzeuge und Ersatzteile müssen mitgeführt werden. Reifenpannen sind sehr häufig, Reifenflicken zuhause im warmen Keller ist eine Sache, die gleiche Aktion in tiefster Nacht im Wüstensand, eine andere.

Das Rennen kann sowohl als Einzelstarter, als Zweier- oder auch als Viererteam durchgeführt werden. Hilfestellung auf der Piste gibt es nicht, man ist auf sich allein gestellt.

Sechs Abschnitte zu jeweils etwa 70 Kilometern sind zu absolvieren, an den Kontrollpunkten wird man verpfleget, das Rad wird von Staub und Dreck grob befreit und die Kette wird gesäubert und neu geölt.

Zwischen diesen Versorgungsstationen gibt es jeweils eine Wasserstation. Dieses Jahr fand das Rennen am Nikolaustag statt, über eintausend Teilneher waren gemeldet, darunter der Windschatten Triathlet Wolfgang Schumacher.

Für Schumacher war dies eine Start ins Ungewisse, 180 Kilometer im Rahmen eines Triathlons auf der Straße sind eine Sache, 373 Kilomether unter schwierigsten technischen und klimatischen Verhältnissen eine andere. Der Start im Zweierteam schien da schon eher machbar, 240 Kilometer und rund 3000 Höhenmeter, das war vorstellbar!

In den letzten drei Monaten hatte der Triathlet 3500 Trainingskilometer mit dem Mountainbike absolviert und dabei über 210 Stunden investiert. Dabei erwies sich der Standort Neumarkt wieder einmal als perfekter Standort: Wurzelpassagen auf der Zeugenbergrunde, steile Anstiege am Dillberg, lange ruhige Abschnitte am Kanal, Techniktraining auf dem Bikepart in Etzelsdorf und viele sandige Strecken. Einzig die zu erwarteten Temperaturen konnten nicht simuliert werden.

Normalerweise liegen die Mittagstemperatuen im Dezember in Windhuk bei etwa 35 Grad, doch in diesem Jahr war alles anders, srömender Regen und angenehme 22 Grad erwarteten die Teilnehmer beim Start um 15:00.

Zusammen mit den mehr als eintausend anderen Teilnehmern ging es kurz nach dem Start, über 600 Höhenmeter den berüchtigten „Kupferbergpass“ hinauf, auf über 2000 Meter Passhöhe. Die Höhe und die doch ungewohnten Witterungsverhältnisse trieben den Puls an die Belastungsgrenze, Geschwindigkeit reduzieren, nur nicht überzocken! Nach gut 2 Stunden und 32 Kilometern, war der erste Kontrollpunkt erreicht und Schumacher mußte jetzt die folgenden beiden Abschnitte über 150 Kilometer alleine bewältigen.

Die nächsten Stunden ging es über das Kohmas-Hochland, der Regen ließ nach, die Temperaturen stiegen aber auch der Westwind wurde erwartungsgemäß immer stärker. Der starke Gegenwind wurde in Verbindung mit dem Staub zur Qual. Wenn dann auch noch eines der Begleitfahrzeuge vorbeifuhr, ging die Sichtweite auf gerade einmal 10 Meter zurück. Staub und Hitze erforderten ständige Flüssigkeitsaufnahme und Schumacher mußte jetzt draufdrücken. Ziel war es, den gefährlichen „US-Pass“ noch im Tageslicht zu bewältigen. Der Pass führt vom Khomas-Hochland 1200 Meter in scharfen Kurven und starkem Gefälle, hinab in den Canyon des Kuiseb-Flusses. Der Kuiseb ist der größte Trockfluß von Namibia, nur etwa alle 10 Jahre erreicht er nach sehr starken Regenfällen jedoch den Atlantik.

Der Übergang vom Tag in die Nacht ist in diesen Breitengraden extrem kurz und und Schumacher mußte die letzten Kilometer bis zum zweiten Kontrollpunkt bereits mit Licht zurücklegen. Endlich um kurz vor 21:00, nach nunmehr 100 Kilometern war der 2. Kontrollpunkt erreicht. Wasser auffüllen, schnell etwas essen, das Rad versorgen lassen und schnell weiter.

Der folgende Abschnitt gilt als der schwierigste. Steile kurze Anstiege und gefährliche Abfahrten, hinein in ausgetrocknete Flussbetten, über Steine und durch tiefen Sand und immer wieder steile Rampen hoch. Das alles im begrenzten Licht der Fahrradlampe. Dieser Abschnitt war extrem zäh, ein Kilometer fühlte sich an wie zehn zuhause! Auf einer dieser unzähligen Abfahrten mußte Schumacher auch die gefährlichste Situation des Rennens überstehen. Wieder einmal ging es steil bergab, doch plötzlich war alles anders als bisher, es wurde schwarz im Scheinwerferlicht! Ein tiefes Wasserloch bremste brutal die Fahrt, das Adrenalin schoß in den Körper und nur mit viel Glück konnte er einen Sturz verhindern. Keinen Hinweis hatte es vorher gegeben, man war in der Wüste und auf sich allein gestellt!

Das ständige auf und ab, die Rüttelpisten, die Dunkelheit und die stehts volle Konzentration machten sich zunehmend körperlich bemerkbar. Handgelenke, Rücken, Hintern, Genick, der ganze Körper schmerzte zunehmend und die Strecke wollte kein ende nehmen. Warum tut man sich so etwas an? Hinter jeder Kuppe hoffte man auf den nächsten Kontrollpunkt.

Um 02:00 nach 11 Stunden und 190 Kilometern endlich da, eine Stunde früher als geplant, ein gewisses Polster für den Partner der jetzt die nächsten beiden Abschnitte fahren durfte.

Für Schumacher ging es im Begleitfahrzeug zum Kontrollpunkt 5weiter, hier sollte der Partner bis 10:00 ankommen. Bis dahin an war Erholung angesagt.

Während des ganzen Rennens gibt es keinerlei Kommunikationsverbindungen, man hat keine Information wo sich ein Fahrer befindet und so warteten am Kontrollpunkt 5 die Fahrer der Zweier- und Vierteams auf ihre Partner um die letzte Etappe gemeinsam zu fahren.

 Die geplante Ankunftszeit von Schumachers Partner war längst verstrichen, die Zeit lief davon und um überhaupt das Rennen noch beenden zu können, mußte Schumacher allein auf die letzen 50 Kilometer Wüstenstrecke gehen. Es war jetzt kurz vor 12:00, extrem heiß und der Gegenwind fühlte sich an wie ein Warmluftgebläse. Dieser Streckenabschnitt führte durch die „Namib-Wüste“, die älteste Wüste der Welt! Tiefer Sand und nochmals 500 Höhenmeter galt es zu durchleiden. Müdigkeit, körperliche Überanstrengung und nachlassende Konzentration mündeten in zum Glück folgenlosen Stürzen, in den heißen Sand. Bereits an den kleinsten Anstiegen sah man die Teams jetzt gemeinasam schieben. Die Wüste wollte kein Ende nehmen!

Doch denn endlich völlig unverhofft, nach 24 Stunden, davon über 14 Stunden und 240 Kilometern im Sattel, die Atlantikküste! In solchen Momenten sind alle Qualen vergessen.

Es war geschafft, die Quälerei war zu ende. Für den Windschatten-Triatheten, mit Abstand das härteste, was er je gemacht hat.

2 Gedanken zu “Windschatten Triathlet beim Wüstenrennen in Namibia

  1. Gut gemacht Wolfgang !!

    Bin schon gespannt, was für eine Herausforderung Du nächstes Mal meistern wirst.
    Wir halten die Daumen

    Eckhard und Ingrid

    Liken

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