Roth für Mitleidende

Ziel: Challenge Roth 2015-07-12

Trainingskilometer: 85 Schwimmen, 4050 Rad, 1176 Laufen (vom ersten Januar an)

Nach gut gelaufener Vorbereitung (keine Krankheit, nur kurzer Aussetzer wegen Sturz in Ingolstadt) bin ich noch vor dem Wecker am 12 Juli um 3:30 frühs wach. Die Abläufe sind bei der 5ten Langdistanz (dritte in Roth) nun eingespielt. Nach dem Frühstück bin ich mit dem Auto um halb 5 Richtung Start in Heuberg unterwegs und noch vor dem großen Stau auf dem Parkplatz. Dann wie gehabt erstmal der Radcheck. Riegel in die Oberrohrtasche, Luft in den Schläuchen prüfen und mit den restlichen, bekannten Startern sprechen.Spätestens hier wird mir klar, dass ich nun schon lange in der Triathlon Szene bin da ich wirklich eine Menge der Starter schon kenne.

Mit dem Ziel möglichst nah an den 10 Stunden im Finisherbereich zu stehen ist die Latte hoch gehängt aber nur wer wagt gewinnt. Realistischerweise waren mit der Vorbereitung aber eher noch 10:15 möglich, für 10 Stunden müsste ich den absoluten Übertag erwischen. Aber fangen wir doch erstmal an.

Und schon bald geht es in die Startzone zum Schwimmen. Das Wetter passt noch, es kann ein guter Tag werden. Um 7:10 Uhr fällt der Startschuss und los gehts. Ich versuche ein gleichmäßiges Schwimmtempo anzuschlagen und mich recht nach am Rand aufzuhalten  Ich bin in keine Kämpfe verwickelt und kann eigentlich frei schwimmen. Gefühlt überholen mich zwar schon ein paar aus der Startgruppe hinter mir (leicht an der Geschwindigkeit zu erkennen) aber es hält sich im Rahmen.
Aus diesem Grund bin ich doch leicht überrascht als meine Uhr 8:20 beim Ausstieg zeigt. Damit ist meine SChwimmzeit wieder um die 1:10 und ich bin nicht schneller als 2013. Und das obwohl meine Vergleichszeiten vorher eher auf eine 1:05 hingedeutet hätten (Ingolstadt z.b. 25:12). Aber die Schwimmzeit ist nicht kriegsentscheidend.

Dann richte ich das eben wieder am Rad :-).
Erste Radrunde angehen wie gehabt. 3 Riegel bis Greding und nicht zu schnell losfahren. In Greding sieht noch alles gut aus. Ca 35er Schnitt, alles im Plan. Auch am Solarer Berg passt noch alles. Natürlich ist es schon wärmer als mir lieb ist aber noch nicht richtig schlimm. Dann noch den Rest der ersten Runde abspulen, Business as usual. Hilpolststein Durchfahrt, dann an der Schleuse in Haimpfarrich vorbei und wieder durch Eckersmühlen in die zweite Runde. Nach einer eher konservativen ersten Runde wollte ich auf jeden Fall die Leistung halten, eher noch beschleunigen. Schon im welligen Gebiet zwischen Wallesau, Laffenau und Heideck konnte ich aber nicht die Leistung am Rad bringen die ich mir vorgestellt hatte. Zusätzlich zu der abfallenden Kraft frischte auch noch der Wind auf. Nachdem ich zum zweiten Mal den Gredinger Berg hinaufpedaliert bin gab es so starke Böen wie ich sie in mehreren Jahren noch nie miterlebt hatte. Zu dem Zeitpunkt waren schon alle Pläne auf eine Bestzeit dahin und ich versuchte nur noch eine solide Radleistung abzurufen. Dann zum zweiten Mal den Gredinger Berg hoch und immer noch sind Zuschauer en Mass da und feuern an. Zwischen Obermässing und Eysölden wird es immer mehr ein Kampf gegen den Wind. Aber das betrifft ja alle Teilnehmer. Ich bin mittlerweile schon auf die Versorgung mit Gels umgestiegen, komme aber trotzdem nicht aus dem Leistungsloch heraus. Es sieht bereits jetzt schon danach aus als wenn das nicht mein Tag werden soll. Dann zweite Durchfahrt beim Solarer Berg. Immer noch ist hier eine unglaubliche Menschenmenge versammelt. Allein dafür lohnt sich eine Einzelstartteilnahme in Roth bereits. Oben angekommen macht mich der Fahrer hinter
mir auf wenig Luft in meinem Hinterreifen aufmerksam. Anscheinend hatte ich mir einen Schleicher eingefangen, dachte aber ich schaff das die letzten 20 Kilometer noch ohne Wechseln des Schlauches. Also erstmal etwas langsamer in den Kurven und hoffen, dass die Luft noch hält. Leider ging das nicht auf. Am Anfang von Hilpoltstein bin ich schon fast auf der Felge gefahren und hätte noch ca. 10 Kilometer absolvieren müssen. Das ging nicht. Also kurz vor der Ampel an der es rechts zum Schmidtbäcker hochgeht angehalten. Sofort waren Zuschauer da die mir das Rad gehalten hatten als ich die Scheibe hinten rausgenommen habe. Dann noch den Schlauch runtergenommen und den Ersatzschlauch ausgepackt. Dann war ich erstmal platt. Ich hatte den Langventilersatzschlauch dabei der nicht in die Scheibe reinpasst. Den richtigen für die Scheibe hatte ich noch im Radbeutel der nun im zweiten Wechsel lag. Hoffnungslos fragte ich die Zuschauer nicht möglicherweise einen Radschlauch dabei hätten. Natürlich hatte keiner einen dabei aber einer ist sofort los und die 400 Meter heimgelaufen um einen zu holen. Diesem Mann verdanke ich, dass ich später überhaupt weitermachen konnte. DANKE!!
In der Zwischenzeit legte ich den Mantel wieder auf die Scheibe, die ging vorher runter als ich den SChlauch runtergenommen hatte. Nach gefühlt kurzer Zeit konnt ich dann schon auch den Schlauch des Zuschauers entgegennehmen und reinbauen. Dann nur noch aufpumpen und los, so der Plan. Leider passte meine Gaskartusche auch nicht zum Aufpumpen der Scheibe. Ich hatte das nie vorher probiert und den Adapter nicht dabei. Anfängerfehler eben.
Gottseidank fand sich dann auch noch eine Luftpumpe mit der notdürftig 4 Bar in den Schlauch gepumpt wurden. So konnte ich mit ca. 12 Minuten Schlauchwechselzeit noch die Wechselzone mit 5:44 erreichen. Diese 12 Minuten in gebückter Haltung waren leider nicht so richtig gut für die Muskulatur. Die Oberschenkel verhärteten und das sollte mir beim Laufen noch viel Spaß bereiten.
Zeiten waren zu dem Zeitpunkt schon egal. Das Ziel war nun noch einen soliden Marathon zu absolvieren und dann zu erholen.
Aber auch das lief nicht nach Plan. Schon bei km 3 waren beide Oberschenkel verhärtet und ich wollte nur noch irgendwie ins Ziel kommen (siehe Schlauchwechsel). Davor lagen aber noch 39 Kilometer. Eine Ewigkeit. Schon ab Laufstart bin ich in die Notfalltatik verfallen. Also zwischen den Verpflegungsstellen versuchen zu Laufen, bei den Verpflegungsstellen gehen. Normalerweise ist das erst richtig schlimm ab ca. Halbmarathon, diesesmal schon vom Start weg. Für den Kopf ist das sehr hart. Alle Zielzeiten sind schon lange vorbei und dann kämpft man sich nur noch irgendwie ins Ziel. Und es wurde ein langer Kampf. Irgendwann hatte ich dann sogar den Halbmarathon geschafft
und wusste, „nur“ noch ca. 2:15 Stunden. Lauftempo war schnelleres Gehen, alles andere hätte sofort in Krämpfen geendet. Die TWinler feuerten mich geschlossen an, zu dem Zeitpunkt hatte ich aber geistig meinen Körper schon verlassen und konnte nicht richtig darauf eingehen. Deshalb jetzt hier erstmal ein großes DANKE.
Bei km 25 bin ich dann auf jemanden „aufgelaufen“ der gerade ging und ich hab ihn zum „mithumpeln“ animiert. Er hieß Jochen und hatte auch den Tag schon lange abgeschenkt. Mit seiner 10 Stunden Zielzeit ist auch er übel eingegangen.
So zogen wir uns gemeinsam die 17 verbleibenden Kilometer Richtung Ziel. Es ist schwierig hier in Worte zu fassen wie ich mich dabei gefühlt habe. Das meiste hat der Kopf verdrängt da ich mich nicht mehr an soviel erinnern kann. Anscheinend ein Schutzmechanismus. Nach scheinbar endlosen Kilometern war es dann soweit, Finish.
Kurz vor 7. Im Ziel war ich erstmal einfach leer. Es war viel mentale Kraft nötig gewesen um überhaupt ins Ziel zu kommen und dementsprechend war ich dann auch erstmal bedient. 11:49 Endzeit, die 5te Langdistanz war meine „längste“.
Anspruch und Wirklichkeit lagen soweit auseinander wie noch nie.

Im Nachhinein muss es schon auf dem Rad ein energetisches Problem gewesen sein, dass ich so nicht erkannt hatte. Eigentlich bin ich dieselbe Taktik wie sonst auch gefahren, diesesmal hat es aber gar nicht funktioniert. Und nach einem Durchhänger ist bei anspruchsvollen Zielen eigentlich schon nichts mehr möglich. Ich könnte nicht sagen, dass es am Training lag. Eigentlich
fühlte ich mich fit wie nie. Aber wenn es bei einer Langdistanz mal nicht so gut läuft dann fällt man auch schnell mal in ein Loch aus dem man nicht mehr rauskommt.

Trotzdem gibt es immer noch ein paar Positive Dinge die man aus so einem Tag rausziehen kann.

Ich weiß nun, ich kann mich knapp 5 Stunden nur mit Willenskraft fortbewegen.
Es war eine gute Wahl ein Lauftop anzuziehen, damit läuft es sich auf einer LD einfach leichter.
Die Helfer und Zuschauer machen den Challenge Roth aus!! Danke an die Helfer in Hip und unbekannterweise an denjenigen, der mir den Schlauch gebracht hat!
Für jeden TWin Athleten ist unsere Verpflegungsstelle ein Ankerpunkt wenns mal nicht läuft.

Die nächste Langdistanz kommt bestimmt… aber nicht Roth.

Und dann auf ein Neues!!

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